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Review: Mister Swatch. Nicolas Hayek und das Geheimnis seines Erfolges. (von Jürg Wegelin)

Autor: Luka Dobec am 19.08.2014

Nicolas Hayek

Review: Mister Swatch. Nicolas Hayek und das Geheimnis seines Erfolges. (von Jürg Wegelin)

Die wichtigsten Punkte des Buches:

  • Hayek, ein gebürtiger Libanese, plante in den USA Kernphysik zu studieren, emigrierte aber in die Schweiz
  • Über seinen Schwiegervater wurde er zum Leiter einer Maschinenfabrik und Eisengiesserei
  • Sein zweites Werk war die Hayek Engineering Beratungsfirma, die den Grundstein für seine späteren Errungenschaften legte
  • Hayek investierte in SMH, eine Uhrenfirma, wo er 1986 ins Präsidium einzog
  • Er ist nicht der Erfinder der Swatch-Uhr…
  • …jedoch Hauptverantwortlicher für ihren Erfolg
  • Die Swatch-Uhr war nie eine Billig-Uhr
  • Die Aufmerksamkeit, welche die Swatch auf sich zog, „rettete“ die gesamte Schweizer Uhrenindustrie
  • Hayeks Meinung ist, dass ein Unternehmer Arbeitsplätze sichern muss

Auch Hayek schätzt die Verbundenheit innerhalb der Familie: sein Sohn, seine Tochter und sein Enkel haben Führungspositionen bei der Swatch Group

Wegelins Werk illustriert, wie es ein libanesischer Immigrant zum Schweizer Uhrenmogul schaffen konnte. Der Name Swatch ist unzertrennlich mit dem Namen des 2010 verstorbenen Unternehmers verbunden. Das Buch zeigt den Entwicklungsweg des Nicolas Hayek klar auf und präsentiert auch die Entwicklung des Wirtschaftsplatzes Schweiz in den letzten 60 Jahren.

Eigentlich wollte der in Beirut geborene Hayek in den USA Kernphysik studieren, doch er emigrierte stattdessen 1949 in die Schweiz. Dort heiratete er 1951 die Schweizerin Marianne Mezger, von deren Vater er aus Krankheitsgründen er dann auch die Maschinenfabrik und Eisengiesserei Ed. Mezger in Kallnach übernahm.

„Der nur 1,65 Meter grosse, Deutsch radebrechende Immigrant fiel mit seiner markanten Nase und den buschigen Augenbrauen überall sofort auf.“

Obwohl Hayeks Deutschkenntnisse eher ungenügend waren, konnte er sehr schnell Erfolge verzeichnen und unter anderem die SBB (Schweizerische Bundesbahnen) als Kunden an Land ziehen. Kurz später breitete er sich auch auf Deutschland aus.

Ein wichtiger Schachzug des Nicolas Hayek war seine Beratungsfirma namens „Hayek Engineering“, die insbesondere deutschen Unternehmen in der Schwerindustrie unter die Arme griff. Hayeks ausgezeichnetes Networking ermöglichte ihm schon bald im Zentrum Zürichs seine Büros zu beziehen. Eine Expansion in der Schweiz folgte, ein ehemaliger Bundesrat wurde Mitglied der Führung von Hayek Engineering.

„Die Schweizer Uhrenhersteller setzten sich sozusagen auf die vergoldete Spitze der Produktpyramide und merkten nicht, dass das Fundament darunter immer stärker bröckelte.“

Einer der stärksten wirtschaftlichen Sektoren der Schweiz begann zu bröckeln, als Hongkong und Japan den Markt mit Billiguhren (die qualitativ gar nicht so schlecht waren) fluteten. Die Schweizer Uhrenindustrie schien zu zerfallen, die SSIH, ein riesiges Flagschiff der Industrie, schien Konkurs zu gehen – doch dann kam Hayek Engineering dazu.

Obwohl Hayek nicht viel von der Uhrenindustrie wusste, zeigte sich schnell durch eine Betriebsanalyse, dass die SSIH eine Totalveränderung benötigt. Er empfahl, dass die gesamte Führung ausgewechselt wird und eine Fusion von SSIH und ASUAG (Allgemeine Schweizerische Uhren AG) durchgeführt wird. Dies führte dann zu ersten Erfolgen bzw. Schadenrückgängen. 1986 entschloss sich Hayek die neu entstandene SMH mit einigen Investoren zu übernehmen und übernahm die führende Rolle im Präsidium.

Hayeks wichtigstes „Baby“ war die Swatch-Uhr. Sie ist ursprünglich eine Erfindung von Ernst Thomke, dem Chef von ETA, einem der ASUAG unterstellten Betrieb. Bereits vor Hayeks Übernahme der SMH war die Swatch ein Hit und verkaufte 10 Millionen Exemplare. Hayek übernahm Thomkes Idee und liess sich als Vater der Swatch preisen, obwohl sein Verdienst vor allem im Vertrieb der Uhr bestand. Der Erfolg der Swatch rettete der gesamten Industrie den Weiterbestand.

„Mit dem endgültigen Durchbruch der Swatch auf allen wichtigen Märkten und der Sanierung von Omega war Hayek seinem strategischen Ziel einen weiteren, entscheidenden Schritt näher gerückt.“

Die emotionale Werbungsstrategie für Swatch und Omega führte zu beachtlichen Erfolgen. Die Swatch stand für Spass und Provokation bei niedrigen Preisen, während die Omega-Uhr ein höheres Preissegment anvisierte und mit Gesichtern wie Cindy Crawford, Nicole Kidman oder diversen James Bond Darstellern verbunden wurde.

Hayek erkannte richtig, dass auch eine tiefere Preisschicht gezielt angegangen werden muss, denn sonst etablieren sich Schwellenländer und rauben so den Markt.

„Hayek hat bewiesen, dass eine Umstrukturierung des Produktionsapparats in Richtung erhöhter Wertschöpfung auch ohne Lohndruckerei möglich ist.“

Er verbesserte seinen Anteil am Luxusuhrenmarkt, indem er längst verloren geglaubte Marken wie Blancpain oder Breguet wieder auferstehen liess. Auch die Kooperation mit der amerikanischen Schmuckmarke Tiffany liess das Geschäft florieren.

„Hayeks marktmächtige Stellung ist das Resultat seiner visionären, konsequent über die Jahre hinweg verfolgten Strategie.“

Hayek war ein guter Unternehmer, der viele strategisch gute Züge gemacht hat. Sein Schema war bereits existierende Marken zu übernehmen und sie im Auge der Öffentlichkeit richtig zu positionieren, so wie er es mit der Eisengiesserei/Maschinenfabrik seines Schwiegervaters anfänglich tat und später auch mit Swatch, Omega, Blancpain und Breguet. Seine Vision wird weiterverfolgt, denn die Chefetage von Swatch besteht auch nach dem Tod des Unternehmers aus Familienangehörigen: Tochter Nayla, Sohn Nick und Enkel Marc stehen in der Führungsetage.

 

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