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Review: Sag’s wie Obama. Ausstrahlung, Rhetorik und Visionen des neuen US-Präsidenten (von Shel Leanne)

Autor: Luka Dobec am 22.08.2014

Die wichtigsten Punkte des Buches:

  • Obama ist ein glänzender Rhetoriker
  • Die Mittel seiner Wahl sind klassische rhetorische Strategien
  • Emotionen gehen vor: der persönliche Kontakt und der Appell an die Emotionen fesseln den Zuhörer
  • Obama’s Stimme und Inhalte stehen stets im Einklang
  • Obama beherrscht das Verarbeiten von Gegenüberstellungen äusserst gut
  • Die Reverend-Wright-Affäre (http://www.faz.net/aktuell/politik/barack-obama-der-ueberlebenskuenstler-1510787.html) hätte Obama politisch um Kopf und Kragen bringen können – stattdessen ist er noch stärker geworden
  • „Yes we can“ – in Dauerwiederholung, die Leute lieben simple und klare Nachrichten
  • Obama kombiniert gut historische mit privaten Themen in seinen Reden
  • Der Abgang ist das Wichtigste an einer Rede – er beflügelt die Hörer, um eine Veränderung zu schaffen

„Yes, we can“ – mit diesem Spruch hat der 44. Präsident der Vereinigten Staaten die Massen verzaubert, bevor er 2009 in sein Amt gewählt worden ist. Unverkennbar war schon zu diesem Zeitpunkt, dass Obama ein rhetorisches Genie ist, was auch dazu führte, dass er seinen Nobelpreis erlangte, bevor er überhaupt wirklich etwas erreicht hat. Die Autorin Shel Leanne versucht in diesem Werk den rhetorischen Fähigkeiten des Barack Obama auf den Grund zu gehen und sie für den Leser greifbar zu machen.

„Führungskräfte können viel lernen von der Art und Weise, wie Barack Obama Barrieren niederreisst und Gemeinsamkeiten zwischen den unterschiedlichsten Menschen herstellt.“

Obama hat äusserst gute Fähigkeiten, sich mit dem Zuhörer zu verbinden. Sowohl seine Tonlage als auch der Inhalt seiner Reden fesseln den Hörer und fügen ihn zur neu geschaffenen Gruppe hinzu. Er beschreibt oft traurige Schicksale und persönliche Geschichten aus dem Leben der Amerikaner, welche den Zusammenhalt fördern sollen.

„Ich werde euch zuhören, ganz besonders dann, wenn wir nicht einer Meinung sind.“

Ein wichtiger Faktor, denn wahre Führungspersönlichkeiten stets berücksichtigen, ist das Aufbauen von Vertrauen. Dies geschieht schnell und non-verbal, wichtige Mittel dazu sind die Körpersprache, Augenkontakt, oft auch ein Lächeln. Auch die Betonung und Stimmlage sind wichtig, Obama benutzt dies sehr oft. Er hebt die Stimme, wenn er etwas positiv untermalen will, und senkt sie in negativen Teilen seiner Rede. Diese Verbindung von Tonlage und Emotion ist wichtig und muss geübt werden, um diesen Effekt zu entfalten.

„Wenn sie eine wirklich erfolgreiche Führungspersönlichkeit werden wollen, brauchen sie das Vertrauen der Menschen in ihr Urteilsvermögen und ihre moralische Integrität.“

Die nächste Lektion, die du von Obama lernen kannst, ist das Erzeugen des „Wir-Gefühls“. Durch seine Reden verbindet Obama weite Teile Amerikas. Er verbindet Leute über die Grenzen von Hautfarbe, Wohnort, Region und sozialen Schichten hinweg, denn er fördert stets die Gemeinsamkeiten. Dies untermalt er durch regelmässiges Erwähnen der gemeinsamen Geschichte, wie z.B. den Unabhängigkeitskrieg, den zweiten Weltkrieg, John F. Kennedy oder auch Martin Luther King.

„Geübte Redner verwenden detaillierte Schilderungen, um ihre Visionen zu veranschaulichen, und können meistens sehr genau abschätzen, wie viele Detailinformationen es jeweils braucht.“

Um Begeisterung bei seinen Hörern zu erzeugen, benutzt Obama eine Vielzahl an detaillierten Schilderungen und sprachlichen Werkzeugen. Eine seiner Lieblingsstilfiguren ist die Wiederholung, so z.B. die Anapher (Wiederholung am Satzanfang), die Epipher (Wiederholung am Satzende) und die Mesodiplose (Wiederholung in der Satzmitte). Diese benutzt er gerne oft in 3er-Wiederholungen („Man bekommt wenig Schlaf, wenig Geld, wenig Anerkennung“). Obamas Reden sind auf einem hohen sprachlichen Niveau verfasst.

Ein schwerer Moment für Obama war die Affäre um Reverend Jeremiah Wright, welcher der Pastor von Barack Obama war und damit eine wichtige religiöse Figur für ihn. Im Wahlkampf wurde bekannt, dass Wright zahlreiche rassistische Äusserungen von sich gab, und damit zeigte, wie fremd sich schwarz und weiss in den USA auch heute noch sind. Dies war eine potentielle Gefahr für Obama, dessen Wahlkampagne überhaupt nicht im Einklang war mit diesen Aussagen. Diese Diskrepanz war gefundenes Fressen für Konkurrentin Hillary Clinton, welche Obama damit angreifen konnte. Glücklicherweise konnte sich Obama jedoch klar gegen die Aussagen von Reverend Wright abgrenzen und somit seine Position festigen.

„Völker der Welt – schaut auf Berlin, wo eine Mauer fiel, ein Kontinent zusammenwuchs und die Geschichte bewiesen hat, dass keine Herausforderung zu gross ist für eine geeinte Welt, die fest zusammensteht“

Yes we can – Obama beherrscht es, die Herzen der Zuschauer mit wenigen Worten zu erobern. In der Kürze liegt die Würze – in nur 3 Worten hat Obama Zuversicht, Motivation und Zusammengehörigkeit erzeugt. Er erzeugt in seinen Reden einen Höhepunkt, den er verstärkt in dem er aufhört, wenn es am Schönsten ist.

 Barack Obama – ob man ihn mag oder nicht – benutzt die Trickkiste der Rhetorik ausserordentlich gut. Er hat es geschafft, die Wähler auf seine Seite zu ziehen und eine der mächtigsten Positionen der Welt für sich zu gewinnen – vielleicht kannst auch du deinen Erfolg durch das Lernen von rhetorischen Mitteln steigern!

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